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Bedeutung entsteht durch Kontext. Wechselt der Kontext (lat. das Gewebe, die Verflechtung) erhalten Dinge, Räume, Handlungen eine andere Bedeutung. Denn alles ist relativ, eingebunden in ein Netz von Erwartungen und Beziehungen. In meinen Zeichnungen schaffe ich Räume, deren Bedeutung nicht eindeutig ist. Knoten und sich überschneidende Verbindungslinien schaffen einen oszillierenden Raum der Möglichkeiten. Ordnungen scheinen auf, ziehen sich zurück und schaffen Raum für andere Deutungsmuster, die sich wiederum auflösen, um neuen Ordnungen zu weichen.

Die Arbeiten basieren hauptsächlich auf fotografischen Vorlagen. In Verlauf eines induktiven Prozesses befreie ich diese von Einzelheiten und überführe sie in einen allgemeineren Zustand. Die Motive erfahren durch digitale Bearbeitung eine Verfremdung, die ich in großformatigen Tusche- und Bleistiftzeichnungen weiter treibe. Es ist dies der Versuch, neue Ordnungen und Sichtweisen zu schaffen, vermeintlich bekannte Räume durch zeichnerische Aneinanderreihung bzw. Gegenüberstellung in neue Zusammenhänge zu bringen und so deren Bedeutung zu relativieren. So steht in Arbeiten wie etwa „Nodo“ oder „más allá“ nicht das Gezeichnete im Vordergrund. Vielmehr weisen Verbindungslinien und Konnektivitätspunkte auf den leeren Raum dazwischen. Im Zentrum steht ein Raum, der offen ist für Assoziationen, für Gefühle der Weite, Enge Leere oder Fülle. Was zwischen den Räumen liegt, wird selbst zum Raum, der seine Bedeutung erst durch seine Umgebung, durch seinen Kontext erhält.

Diese Wechselwirkung von Raum und Zwischenraum ist auch Thema meiner am Computer generierten Werke und Videoarbeiten, die diese Beziehung durch ihre Bewegtheit zusätzlich dynamisieren.

Die Grösse der zeichnerischen Arbeiten variiert entsprechend stark (10 cm bis 2 m). Die Zeichnungen sind in der Regel auf Papier und Leinwand, gelegentlich auch auf Karton erstellt.

margarit lehmannn 2010